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Gesucht: Blutspenden für Hund und Katze
Auch Haustiere brauchen in Notfällen lebensnotwendige Transfusionen. Doch es gibt zu wenige Konserven.
- Katrin Lange Berlin -

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Der Schäferhundmischling war zwar schon acht Jahre alt, aber das war kein Grund, eine Woche lang matt zu sein. Als er auch noch das Fressen einstellte, brachte ihn seine Halterin in die Klein- und Heimtierklinik der Freien Universität (FU) in Zehlendorf. Dort stellten die Tierärzte fest, dass ihn eine Zecke gestochen und damit eine parasitäre Erkrankung übertragen hatte. Der Hund litt unter Babesiose, auch Hundemalaria genannt, die unbehandelt tödlich verlaufen kann. Was das Tier neben weiteren intensivmedizinischen Maßnahmen rettete, waren Bluttransfusionen. Noch immer ist der Hund fast täglich in Behandlung. „Aber er ist in der Phase der Genesung“, sagt Klinikdirektorin Barbara Kohn. Ähnlich erging es kürzlich einer Katze. Sie litt unter schwerer Blutarmut, Grund war eine Immunerkrankung. Ohne eine Bluttransfusion hätte es die Katze nicht geschafft, so die Einschätzung der Direktorin.

Hund und Katze hatten Glück:
Im Kühlschrank der Blutbank lagen noch Beutel mit Spenderblut und Spenderplasma. Als Barbara Kohn an diesem Mittag die Kühlschranktür öffnet, sind es noch genau drei Beutel mit Hundeblut und ein Katzenbeutelchen, die dunkelrote Blutkörperchen enthalten. Zuwenig, um dauerhaft auf der sicheren Seite zu sein. Nur einige schwere Fälle, bei denen eine Spende gebraucht wird, und sie sind weg.„ Es ist schwieriger geworden, geeignete Spender zufinden“, sagt Kohn. In der Spenderkartei für Hunde müssten unbedingt 30 bis 40 Tiere mehr sein. Die Blutbank ist eine einzigartige Einrichtung in Berlin, die die Universitätsprofessorin am FU-Campus in Düppel aufgebaut hat. In den 1990er Jahren hat sie an der University of Pennsylvania in Philadelphia zur Transfusionsmedizin in der Tiermedizin geforscht. Dort basierten die Transfusionen auf freiwilligen Blutspenden.

In Berlin wurden ehemals noch Hunde unter anderem für die Blutspende gehalten. „Das ist nicht fair gegen über dem Tier“, sagt die Direktorin. Auch aus tierschutzrechtlichen Gründen sei das bedenklich. Es kam auch vor, dass Mitarbeiter ihre eigenen Hunde in Notfällen zum Blutspenden mitgebracht hätten. Doch das sei immer mit Hektik verbunden gewesen. Um diesen Stress herauszunehmen und immer Spenden vorrätig zu haben, hat sie 1996 die Abteilung für Transfusionsmedizin an der FU-Tierklinik aufgebaut. Ab sofort konnten die Veterinäre auf gekühlte Blutkonserven zurückgreifen, die vorher in einer Zentrifuge in rote Blutkörperchen und Plasma getrennt wurden. Das Problem: Nicht alle potenziellen Kandidaten sind geeignet. Doch genau wie das Deutsche Rote Kreuz regelmäßig für die Teilnahme am Blutspenden wirbt, so müssen sich auch die Klinikdirektorin und ihre Mitarbeitenden um potenzielle tierische Spender bemühen.
Denn die Blutkonserven werden gebraucht, gar nicht mal unbedingt bei großen Operationen, sondern vielmehr bei Immunerkrankungen und gefährlichen Infektionskrankheiten, die oft von Zecken übertragen werden. Aber auch nach Unfällen, bei Gerinnungsstörungen und verschiedenen Blutkrankheiten kommen Konserven zum Einsatz. Die tierischen Spender müssen gesund und geeignet sein – nicht leicht zu finden. „Viele Hunde sind während der Coronapandemie importiert worden, zum Beispiel aus Spanien oder aus Auffangstationen in Südosteuropa“, sagt Kohn. Ihre Vorgeschichte sei nicht bekannt. Krankheiten, sogenannte stumme Infektionen, könnten lange im Körper bleiben – übertragen etwa von Zecken und Mücken.

Das Tierheim Berlin ist oft mit Hunden und Katzen überfüllt. Könnten die nicht als Spender infrage kommen?„ Unsere Tiere werden nicht an Kliniken für Blutspenden ausgeliehen“, sagt Tierheim-Sprecherin Christine Streichan. Es würden zwar Anfragen eingehen, die sie aber aus verschiedenen Gründen ablehnten.„ Um als Spender infrage zu kommen, muss ein Tier viele Kriterien erfüllen, zum Beispiel keine Grunderkrankungen und ein entspanntes Wesen haben“, so die Sprecherin. Das treffe auf die Tierheimtiere in der Regel nicht zu.„ Wir brauchen Hundespender mit einer bekannten Vorgeschichte, am besten aus Deutschland oder Ländern mit ähnlichen klimatischen Bedingungen“, sagt die Klinikdirektorin. Diese hätten ein wesentlich geringeres Risiko, infiziert zu sein. Besitzer von Tieren, die eine Bluttransfusion brauchten, werden von den Klinikmitarbeitenden mittlerweile gebeten, sich im Bekanntenkreis nach Spendern umzusehen. Egal, ob Labrador oder Bernhardiner – Hauptsache gesund und geduldig.

Bevor die Tiere als Spender infragekommen, werden sie kostenlos untersucht und es erfolgt eine komplette Blutanalyse. Wer Interesse hat, in die Spenderdatei aufgenommen zu werden, kann sich unter der Mailadresse "kleintierklinik@vetmed.fu-berlin.de" melden.

(© BerlinerMorgenpost01.02.2024))

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