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Leckereien mit Nebenwirkungen
von Barbara Welsch

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Die meisten Hunde finden alles, was der Mensch isst, hochinteressant. Da ist die Versuchung groß doch mal zu naschen - warum das böse enden kann, erfahren Sie hier. Anders als Menschen, denen der Verzehr von noch so steril zubereitetem Hundefutter ganz und gar undenkbar (igitt!) erscheint, sind Hunde da nicht so etepete. Die können sich jederzeit vorstellen, das Gulasch auf Herrchens Teller zu verschlingen. Tatsächlich scheinen Hunde alles, was der Mensch isst, sogar besonders interessant finden. Man sieht dem Vierbeiner geradezu an, dass er gerne mal probieren möchte. Tja, und wenn er doch so guckt, ist die Versuchung groß, ihn mal kosten zu lassen. Wenn es Herrchen und Frauchen vertragen, kann ein kleiner Happs dem Hund doch nicht schaden, oder? Meistens stimmt das natürlich. Aber eben nicht immer!

GEFÄHRLICHES GULASCH

So ein Fleischgericht vertragen Hunde doch sicher gut, oder? Wenn es nur ums Fleisch ginge, wäre das auch so. Doch leider besteht das klassische Gulasch aus Fleisch und Zwiebeln zu gleichen Teilen. Und große Mengen an Zwiebeln können dem Hund durchaus schaden. Zwiebelgewächse enthalten Schwefelverbindungen, die bei vielen Tieren (außer dem Menschen), die Schleimhäute von Magen und Darm reizen können und so Erbrechen und Durchfall verursachen können. Viel schlimmer ist jedoch, dass die Schwefelverbindungen den roten Blutfarbstoff Hämoglobin in Methämoglobin verwandeln. Methämoglobin kann anders als Hämoglobin keinen Sauerstoff transportieren. Die Folge hiervon ist ein Sauerstoffmangel, der unter Umständen tödlich enden kann. Symptome der Methämoglobinbildung sind Müdigkeit, Erschöpfung, Apathie, blasse Schleimhäute, Kurzatmigkeit und schnelle Atmung auch in Ruhe. Fatal ist, dass das volle Ausmaß einer Zwiebelvergiftung erst Tage nach dem Verzehr zu Tage tritt, wenn sich das Zeitfenster für Erste Hilfe Maßnahmen, wie zum Beispiel ein vom Tierarzt eingeleitetes Erbrechen, längst geschlossen hat. Bereits fünf Gramm Zwiebel pro Kilogramm Körpergewicht des Hundes können im Einzelfall eine Vergiftung verursachen. Neben den klassischen Haushaltszwiebeln sind auch andere Zwiebelgewächse wie Knoblauch, Lauch, Bärlauch und Frühlingszwiebeln für Hunde und viele andere Tiere giftig.

SÜSSES GIFT

Kakao enthält die Methylxanthine Koffein und Theobromin, die Hunde nicht gut vertragen. Je dunkler eine Schokolade ist, desto mehr Theobromin und Koffein enthält sie pro Gramm. Weiße Schokolade enthält nur rund 10 mg Theobromin pro 100 g Tafel, bei Milchschokolade sind es bereits 50-230 mg pro Tafel und eine Tafel Zartbitter- oder Bitterschokolade kann es auf 850 mg bis 1000 mg Theobromin bringen. Bei Hunden treten bereits ab 20 mg Theobromin pro kg Körpergewicht Vergiftungserscheinungen auf. Dazu gehören ein beeinträchtigtes Allgemeinbefinden, Erbrechen und Durchfall. Ab einer Dosis von 40 mg pro kg Körpergewicht kommt es zu schweren und teils lebensbedrohlichen Vergiftungserscheinungen wie Unruhe, Hyperaktivität, Bluthochdruck, Herzrasen, Durchfall, Erbrechen und erhöhter Harnabsatz, Atembeschwerden, erhöhte Schmerzempfindlichkeit, Zittern und Krämpfe eventuell mit Todesfolge. Als absolut tödlich gilt eine Dosis von 250-500 mg Theobromin pro kg Körpermasse. Natürlich kommt es eher selten vor, dass ein Hund eine ganze Tafel Schokolade mit einem Theobromingehalt von 1000 mg auf einmal auffuttert. Aber leider muss er das auch gar nicht, denn mit Schokolade können sich Hunde kumulativ vergiften. Während der Organismus des Menschen Theobromin und Koffein schnell abbauen kann, braucht der Stoffwechsel von Hunden viel länger, um diese Stoffe unschädlich zu machen und aus dem Organismus zu entfernen. Das bedeutet, dass bei einem Hund, der täglich etwas Schokolade bekommt, die Menge an Theobromin und Koffein im Organismus ansteigen (kumulieren). Im Laufe der Zeit kann es dann zur kumulativen Vergiftung kommen, obwohl die täglich aufgenommene Menge an Schokolade eigentlich noch im verträglichen Bereich lag. Sogenannte Hundeschokolade hat zwar deutlich reduzierte Theobromin und Koffeingehalte und ist per se nicht gefährlich. Dennoch geben Experten zu bedenken, dass diese Leckerlis den Hund erst auf den Schokoladengeschmack bringen.

WEINTRAUBEN UND BIRKENZUCKER

WEINTRAUBEN UND BIRKENZUCKER Seit einigen Jahren wird von Vergiftungen von Hunden nach der Aufnahme von Weintrauben und Rosinen berichtet. Bei den betroffenen Tieren beobachtet man starken Speichelfluss, Erbrechen, Lethargie und Apptitlosigkeit, Durchfall, eingeschränkte Harnproduktion sowie Zittern, Bewegungsstörungen und Krämpfe. Schätzungen gehen davon aus, dass 10-30 g Weintrauben oder 2,6 g Rosinen pro kg Körpermasse für den Hund giftig sind. Aber da bestehen offensichtlich Unterschiede: Während einige Tiere überhaupt keine Symptome zeigen, können andere bei gleichen Mengen in lebensbedrohliche Zustände geraten.

Birkenzucker (Xylit) hat mit Zucker nichts zu tun, sondern ist ein außerordentlich beliebter Süßstoff in Lebensmitteln für den Menschen. Er ist auch als „Geschmacksverbesserer" in Zahnpasta oder Mundwasser enthalten. Für Menschen ist Xylit nicht schädlich, bei Hunden kann der Birkenzucker zu einer lebensbedrohlichen Unterzuckerung führen, denn er bewirkt eine starke Insulinausschüttung aus den Langerhans-Zellen der Bauchspeicheldrüse. Die hohe Konzentration an Insulin im Blut führt zu einem rasanten Abfall des Blutzuckerspiegels. Etwa 15 bis 30 Minuten nach der Aufnahme von Xylit zeigen die Tiere die ersten Anzeichen einer Unterzuckerung wie Lethargie, Erbrechen, Schwäche, Bewegungsstörungen, Krämpfe und Kreislaufversagen. Hunde mit Xylitvergiftung müssen sofort in tierärztliche Behandlung. Dort bekommen sie eine Zuckerinfusion häufig über mehrere Stunden und werden medikamentös behandelt. Darüber hinaus kann Xylit lebensbedrohliche Leberschäden verursachen. Die Symptome der Leberschäden traten erst Stunden bis Tage später auf als die Symptome der Unterzuckerung. Es kommt zu Gerinnungsstörungen des Blutes und je nach Ausmaß der Schäden zum Leberversagen, das mit Erbrechen, Gelbsucht und schweren neurologischen Symptomen (hepatoenzephales Syndrom) einhergeht und tödlich enden kann.

MACADAMIA-NÜSSE UND AVOCADO

Der Verzehr von Macadamia-Nüssen soll bei Hunden vor allem muskuläre und neurologische Beschwerden hervorrufen. Beobachtet wurden Hinterhandschwäche, Lahmheit, Steifheit, Gelenkschwellungen, Muskelschmerzen, Bewegungsstörungen und Zittern. Darüber hinaus wurden Apathie, Erbrechen, Bauchschmerzen, eine hohe Körpertemperatur (bis 40,5°C) und blasse Schleimhäute beschrieben. Als giftig gilt eine Dosis ab etwa einer Macadamia-Nuss auf 1 kg Körpermasse des Hundes. Todesfälle durch eine Macadamianuss-Vergiftung sind bislang nicht bekannt geworden. Dennoch gehören betroffene Hunde in tierärztliche Behandlung, damit ihre Beschwerden fachgerecht gelindert werden.Bei Avocado scheiden sich die Geister. sehr wahrscheinlich ist, dass die Frucht bei Vögeln Vergiftungen durch das in ihr enthaltene Persin hervorrufen kann. Über die Giftwirkung der Avocadofrucht bei Hunden gibt es nur einen Bericht aus dem Jahr 1994. Feststeht allerdings, dass Blätter, Samen und Rinde der Avocadopflanze giftig sind. Solange man nicht genau weiß, ob Avocado nun giftig ist oder nicht, sollte jedenfalls die gute alte Pilzsammler-Maxime gelten: „Gefuttert (bzw. gefüttert) wird nur das, was sicher ungiftig ist – von allem anderen lässt man die Finger.“ Das bezieht sich beim Hund natürlich nicht nur auf die Avocado, sondern auch auf alle anderen Lebensmittel, von denen die Wirkung auf den Hund unbekannt ist. (Copyright: Unser Rassehund 12-2021)

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