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Maulkorbtraining Warum? und Wie?
Viele Menschen halten Maulkörbe für etwas Unangenehmes und sind entsetzt von der Vorstellung, ihrem
Hund so ein Gerät anzuziehen. Zum Glück denken Hunde da ganz anders. Ob ein Hund seinen Maulkorb mit
Gelassenheit, ja sogar mit Begeisterung trägt oder ob er schon bei dessen Anblick in Panik oder
Wut gerät, hängt allein davon ab, wie er daran gewöhnt wird. Es ergeben sich immer wieder
Situationen in denen ein Maulkorb hilfreich ist. Abgesehen von der gesetzlichen Vorschrift des
Tragens eines Maulkorbs in öffentlichen Verkehrsmitteln kann es beim Spielen auf dem Grundstück
oder beim Spaziergang im Wald zu Verletzungen kommen. Hier ist schnelles Handeln gefragt. Doch
auf Grund der Schmerzen und einer Abwehr der Untersuchung durch Beißattacken kann keine Hilfe
erfolgen. Hier wäre zur Sicherheit der Helfer ein Maulkorb sinnvoll. Aber die Tierbesitzer haben
gar keinen oder der Hund ist das Tragen des Korbs nicht gewöhnt. Meist wird der Fehler gemacht,
den Maulkorb immer dann anzuziehen, wenn man etwas Unangenehmes mit dem Hund tun will.
Für kurzzeitige Anwendungen eignet sich ein passender Stoffmaulkorb, der auch immer mitgeführt werden
kann. Soll der Maulkorb länger als ein paar Minuten getragen werden, muss er so beschaffen sein, dass
der Hund damit ungestört hecheln und saufen kann. Dafür eignen sich Korbmaulkörbe aus Plastik oder
Stahldraht oder solide Ledermaulkörbe.
Kriterien für einen passenden Maulkorb
1.
Richtig verschnallt kann er nicht von der Nase gezogen werden.
2.
Der Korb darf am Nasenspiegel, rund um die Schnauze und an den Knochenvorsprüngen
seitlich und unterhalb der Augen nur locker anliegen. Der Hund muss in der Lage sein, die Schnauze so
weit zu öffnen, dass ungestörtes Hecheln möglich ist.
Vortraining:
Nehmen Sie den Hund an die Leine, damit er sich Ihnen nicht entziehen kann.
Streicheln
Sie seinen Kopf. Umfassen Sie dabei mehrfach sanft seine Schnauze mit einer oder beiden Händen.
Loben Sie ihn, wenn er es ruhig geschehen lässt. Machen Sie keinen Ringkampf daraus. Dann können
Sie die Übung erweitern. Nehmen Sie einen Bademantelgürtel oder ein anderes breites, weiches Band.
Streicheln Sie wieder den Kopf des Hundes. Schlingen Sie jetzt spielerisch das Band ein- oder
zweimal um die Hundeschnauze. Loben Sie den Hund, wenn er ruhig bleibt. Wiederholen Sie die
Übung ein paar Mal, bis Sie das Ende des Bandes um den Nacken des Hundes schlingen können.
Ziehen Sie die Schlinge nur leicht an. Gestalten sie die ganze Übung so angenehm wie möglich
für den Hund. Machen Sie die Übung an verschiedenen Orten.
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1. Das eigentliche Maulkorbtraining:
1. Woche:
Benutzen Sie jede für den Hund angenehme Situation im Laufe des Tages,
um ihn mit seinem neuen Schmuckstück vertraut zu machen.
1. Tag: Zeigen Sie ihm den Maulkorb vor
jedem Spaziergang, bevor Sie ihn füttern, mit ihm spielen oder schmusen. Wenn er Interesse zeigt
und den Maulkorb beschnuppert und untersucht, loben Sie ihn. Machen Sie mindestens zehn Übungen
am Tag.
2. und 3. Tag: Füllen Sie nun bei jeder Übung ein bisschen Futter in den Maulkorb.
Besonders geeignet sind Leberwurst oder Streichkäse, Sie können aber auch normales oder das
Lieblingsfutter des Hundes benutzen. Lassen Sie den Hund aus dem Maulkorb, den Sie dabei in
der Hand halten, fressen. Wiederholen Sie diese Übung so oft, bis der Hund seine Nase gerne
in den Korb steckt.
4. Tag: Sobald er in aller Ruhe das Futter aus dem Korb leckt, können Sie
den Nackenriemen schließen. Loben Sie den Hund, wenn er ruhig bleibt. Nehmen Sie den Korb nach
etwa zehn Sekunden wieder ab. Wiederholen Sie die Übung mehrmals.
5. bis 7. Tag: Dehnen Sie
die Zeit aus, bis Sie den Maulkorb wieder abnehmen. Nach dem Abnehmen loben Sie den Hund,
geben Sie ein Leckerli und setzen Sie den Korb wieder auf. Machen Sie jeweils drei bis vier
Übungen nacheinander. Wiederholen Sie das etwa zehnmal am Tag. Beginnen Sie mit dem Hund auf
dem Spaziergang zu üben, wenn er in der Wohnung mindestens 5 Minuten lang den Maulkorb
toleriert und nicht versucht, ihn mit den Pfoten abzustreifen. Laufen Sie dann jeweils ein
Stück mit dem Maulkorb, bevor Sie ihn wieder abnehmen.
2. Woche
Jetzt sollte der Hund den Maulkorb immer für einige Minuten tragen, bevor Sie ihn füttern (während
der Zubereitungszeit) und jedes Mal, wenn Sie mit ihm zum Spaziergang aufbrechen. Anfangs ziehen Sie
den Maulkorb wieder aus, wenn Sie ein Stück vom Haus weg sind. Während des Spaziergangs ziehen Sie
ihn mehrfach wieder für kurze Zeit an. Dehnen Sie die Tragezeiten täglich etwas weiter aus.
„Vergessen“ Sie immer häufiger, den Korb zwischendurch auszuziehen. Am Ende der zweiten Woche sind
die meisten Hunde soweit, dass sie den Maulkorb bei kurzen „Gassigängen“ (bis 15 Minuten) ständig
tragen können. Dehnen Sie nach dem obigen Schema die Tragezeiten weiter aus. Wenn der Hund den
Maulkorb problemlos trägt, ist die Gewöhnung abgeschlossen.
Wichtig! Bis zum Ende der Gewöhnungsphase darf der Hund niemals mit dem Maulkorb
unbeaufsichtigt oder außerhalb Ihrer direkten Einwirkung sein. Verhindern Sie ruhig aber konsequent
jeden Versuch, den Maulkorb abzustreifen. Dabei können sonst Verletzungen im Gesicht oder an den
Pfoten entstehen. Vermeiden Sie negative Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Maulkorb, bis die
positive Gewöhnung abgeschlossen ist.
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