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AktuellesLausfliege – immer häufiger

Juckreiz entsteht nicht nur bei Zecken und Flöhen im Pelz.

(Plön/poe) – Wer sich zurzeit viel in Wäldern aufhält, hat vielleicht schon ihre Bekanntschaft gemacht: die Lausfliegen sind auf dem Vormarsch und vor allem zwischen August und November aktiv.

Hirschlausfliegen (Lipoptena cervi) sind die Hauptübeltäter, die Tiere sind nicht wirtsspezifisch und befallen neben Hirschen und Rehen auch Wildschweine, Dachse, Füchse und eben Hunde oder sogar den Menschen. Die extrem flinken, knapp fünf Millimeter großen Ektoparasiten fliegen ihren Wirt an und verstecken sich im Fell. Besonders Hunde mit dichter Unterwolle bieten guten Halt, bei Menschen krabbeln sie dagegen oft zum Haaransatz. In einer polnischen Studie von 2017 fanden die Untersucher bei 32 % von 510 Hunden Hirschlausfliegen im Fell, vor allem der Nacken- und Schenkelbereich waren betroffen.

»Interessant ist der ungewöhnliche Lebens z y k l u s « , meint Wieland Beck, Fachtierarzt für Parasitologie. »Sobald diese Fliegen ein Tier erreichen, werfen sie ihre Flügel ab und parasitieren lebenslang auf dem Körper ihres Wirtes. Beim Festhalten helfen ihnen dabei besonders große Klauen (umgestaltete Tarsenglieder, siehe Foto). Hirschlausfliegen verpaaren sich auch auf ihrem Wirt und saugen im Laufe von mehreren Monaten immer wieder Blut.« Dabei entwickelt sich im Weibchen jeweils ein einzelnes Ei bis zu einer Präpupa, die Hirschlausfliege ist vivipar. Die Verpuppung findet dann in der Regel auf dem Waldboden statt, bis die nächste Generation fliegend ein neues Zuhause sucht.

Beck betont: »Der Stich einer Hirschlausfliege kann starken Juckreiz auslösen und eine dabei entstehende Papel bleibt bis zu drei Wochen bestehen.« Bei schwerem Befall können die Läsionen chronischer atopischer Dermatitis ähneln, allerdings sollten die gut sichtbaren Parasiten auch Hundebesitzern schon ins Auge fallen, die die flügellosen Krabbeltiere jedoch oft mit Milben oder Zecken verwechseln.

»Hat man sie erst gefunden, ist die Therapie einfach«, lacht Beck, »eigentlich alle gängigen Insektizide wirken auch gegen Lausfliegen. Wichtig ist nur die regelmäßige und korrekte Anwendung.« Wobei Mittel mit Repellenteffekt nützlich sind, die Lästlinge gleich fernzuhalten.

(Copyright Vetimpulse 28/17)


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